Konjunkturberichte


Handwerkskammer Frankfurt (Oder) – Region Ostbrandenburg
© hwk-ff.de/Leif Kuhnert

Das Ostbrandenburger Handwerk  im Frühjahr  2021

Im Bezirk der Handwerkskammer Frankfurt (Oder) – Region Ostbrandenburg werden halbjährlich Konjunkturumfragen durchgeführt. Dazu befragt die Handwerkskammer über 2.300 repräsentativ ausgewählte Handwerksbetriebe mittels eines Fragebogens zu ihrer Einschätzung der aktuellen und zukünftigen wirtschaftlichen Lage.

Die Umfrageergebnisse werden jeweils in einem repräsentativen Bericht dokumentiert und grafisch anschaulich aufbereitet.

Zusammenfassung

Das Ostbrandenburgische Handwerk ist und bleibt ein Stabilitätsfaktor der Wirtschaft und Beschäftigungsgarant – auch in Krisenzeiten. Dies zeigen die jüngsten Konjunkturdaten. Damit sich dies fortsetzt, benötigen insbesondere die Gewerke, die stark unter den Einschränkungen der Pandemie gelitten haben, aber auch jene, die strukturellen Veränderungen gegenüberstehen, intensive Unterstützung und gezielte Förderung. Gerade die konsumnahen Gewerke mussten erhebliche pandemiebedingte Einschränkungen hinnehmen. Geschlossene gastronomische Angebote ließen die Umsätze von Konditoren, Bäckern und Fleischern bei 71 % der Befragten einbrechen. Von den Friseuren und Kosmetikern wurde ein Umsatzrückgang von 81 % gemeldet. Auch die Gesundheitshandwerke lagen im Minus. Vermutlich die Vorsicht der Kunden ließ die Umsätze hier zurückgehen. Zudem hatten Betriebsschließungen in anderen Wirtschaftsbereichen massive Auswirkungen auf die Geschäftslage in einigen Gewerken. So fehlten beispielsweise den Gebäude- oder Textilreinigern die Aufträge aus Gastronomie und Hotellerie. Geschlossene Verkaufsräume führten in der Kfz-Branche zu einem erheblichen Umsatzeinbruch. Dieser konnte allein durch das Werkstattgeschäft und online-Verkäufe nicht ausgeglichen werden. Somit hat sich die Lage der direkt von den Corona-Maßnahmen betroffenen Branchen teils dramatisch verschlechtert, während die Bau- und Ausbaubetriebe sowie Zulieferbetriebe vergleichsweise gut dastehen und auf ein insgesamt zufriedenstellendes erstes Quartal 2021 zurückblicken. Die Erwartungen für die kommenden Wochen fallen verhalten positiv aus, auch beeinflusst durch wichtige Wirtschaftsansiedlungen, wie beispielsweise TESLA in Grünheide. Alle Gewerkegruppen liegen mit ihrer Prognose im positiven Bereich. Dies trifft insbesondere auf die Gesundheitshandwerke und die personenbezogenen Dienstleistungen zu.

Geschäftslage: In allen Gewerkegruppen hat sich die Geschäftslage im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten verschlechtert. Am deutlichsten trifft es die von den Lockdown-Maßnahmen besonders belasteten Personenbezogenen Dienstleistungsgewerbe. Auch die Gesundheitsgewerbe und das Kfz-Handwerk sind negativ betroffen. Für die Gewerblichen Zulieferer verschlechterte sich die Geschäftslage zwar auch, entwickelte sich aber insgesamt stabil. Die Verschlechterung gegenüber dem Vorjahr hält sich im Bau- und im Ausbausektor sowie für die Nahrungsmittelbetriebe in Grenzen.
Erwartungen: Insgesamt erwarten nur 9 % aller Betriebe in der nahen Zukunft eine weitere Verschlechterung ihrer Geschäftslage. 27 % der Betriebe blicken optimistisch in die Zukunft – trotz Corona.

Beschäftigungsentwicklung: Die unter Pandemieeinfluss stehende konjunkturelle Entwicklung sorgte für einen leichten Rückgang der Mitarbeiterzahlen. Lediglich die Betriebe im Nahrungsmittelhandwerk konnten saldiert gewachsene Belegschaften melden. In allen anderen Gruppen wurden Beschäftigungsverluste verzeichnet, besonders bei den Gewerblichen Zulieferern. Bei den Personenbezogenen Dienstleistern lagen die Beschäftigungsindikatoren nur leicht im negativen Bereich bei einem weitgehend konstanten Beschäftigtenstand, trotz Corona-Lockdown.
Erwartungen: In den kommenden Monaten rechnet das Handwerk mit einer insgesamt positiven Beschäftigungsentwicklung.

Auftragsentwicklung: Der Auftragsvorlauf lag bei der Gesamtstichprobe mit durchschnittlich 11,5 Wochen leicht unter dem Wert der Vorjahresumfrage, insbesondere getragen von den Bau- und Ausbaubetrieben. Die Lockdown-Maßnahmen wirkten sich spürbar negativ auf den Auftragseingang in nunmehr allen Gewerken aus. Der Anteil der Betriebe mit gesunkenen Auftragseingängen hat sich mit aktuell 37 % gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Besonders deutliche Einbrüche mussten die Personenbezogenen Dienstleister, die Kfz-Betriebe sowie das Gesundheitsgewerbe hinnehmen.
Erwartungen: Die Erwartungen für die Entwicklung von Auftragsbeständen sind durchweg positiv. Am optimistischsten fällt die Einschätzung  bei den Nahrungsmittel- und den Kfz-Betrieben aus.

Betriebsauslastung: Die abwärts gerichtete Handwerkskonjunktur unter monatelangem Pandemieeinfluss hat unmittelbare und direkte Auswirkungen auf die Auslastung der betrieblichen Kapazitäten im Handwerk in Ostbrandenburg. Eine mehr als 70 %-ige Auslastung wiesen nur noch 59 % der Betriebe aus, das sind 11 Zähler weniger als im Frühjahr 2020. 41 % der Handwerker waren lediglich bis 70 % ausgelastet, darunter jeder Fünfte unter 50 %. Erfreulich, dass insbesondere in den Bau- und Ausbaugewerken bei der Auslastung der betrieblichen Kapazitäten bis 100 % und darüber hinaus gute Werte erzielt werden konnten. Dies korrespondiert mit den guten Auftragsreichweiten von 15 Wochen im Bauhauptgewerbe und 11 Wochen im Ausbaugewerbe.

Umsatzentwicklung: Die Umsätze im Gesamthandwerk lagen deutlich unter dem Vorjahresniveau und bilden sich per Saldo durchgehend negativ ab. Mehr als jeder vierte Betrieb meldete Umsatzrückgänge, lediglich 11 % der Betriebe konnten ein Umsatzplus erzielen, gegenüber dem Vorjahr ein Minus von 7 Prozentpunkten. Hohe Umsatzverluste spürten infolge des Lockdowns insbesondere die Personenbezogenen Dienstleister, die Nahrungsmittelbetriebe, denen aus dem Café- und Cateringgeschäft wichtige Umsätze fehlten sowie die Gesundheitsbetriebe, welche die gestiegene Vorsicht der Kunden registrierten.
Erwartungen: Die Umsatzerwartungen fallen in allen Gewerkegruppen durch-gängig positiv aus. 36 % aller Betriebe erwarten ein Umsatzplus,  15 % einen weiteren Umsatzrückgang. Besonders optimistisch zeigen sich die Personenbezogenen Dienstleister.

Preisentwicklung:
Einkaufspreise: 68 % der Betriebe berichteten von Preissteigerungen im Einkauf, das sind nochmals 4 Punkte mehr als im Frühjahr 2020. Insbesondere im Bauhaupt- und Ausbaugewerbe und bei den Gewerblichen Zulieferern machten sich Preissteigerungen deutlich bemerkbar, während sich im Nahrungsmittel- und Gesundheitsgewerbe die Situation im Einkauf gegenüber dem Vorjahr entspannte. Preisnachlässe wurden im Wesentlichen nur von den Kfz-Betrieben und von den Personenbezogenen Dienstleistern angezeigt.
Erwartungen: Für die nächsten Monate stellen sich 68 % der Befragten auf weiter steigende Einkaufspreise ein. Die Übrigen erwarten ein stabiles Preisniveau.  Am deutlichsten wird wiederum im Bauhauptgewerbe (75 %) sowie im Kfz-Handwerk (70 %) von einer weiteren Preisdynamik im Einkauf ausgegangen.

Verkaufspreise: Wie bereits annähernd im Vorjahr gehen insgesamt 62 % der Betriebe von gleichbleibenden Verkaufspreisen aus und setzen damit weiterhin auf Preisstabilität am Markt. 4 % weniger als im Vorjahr, d.h. 33 % der Betriebe haben Preiserhöhungen gegenüber ihren Kunden durchgesetzt. Jeder zweite Kfz-Betrieb erhöhte seine Leistungspreise. Die Bauhauptbetriebe gaben gestiegene Einkaufspreise an ihre Kunden weiter, während die Ausbaubetriebe etwas verhaltener als im Vorjahr agierten.
Erwartungen: Etwa jeder zweite Betrieb will in den nächsten Monaten seine Verkaufspreise konstant halten.  In Anbetracht der erwarteten dynamischen Entwicklung der Einkaufspreise beabsichtigen 41 % höhere Verkaufspreise zu realisieren.

Investitionstätigkeit: Die aufgezeigte Verschlechterung der Geschäftslage und die da-mit verbundene Unsicherheit über den Fortgang der Geschäfte führte zu einer deutlichen Zurückhaltung bei den Investitionsmaßnahmen.  Der Investitionsindikator sank um 13 Zähler auf minus 24 Punkte. Alle Gewerkegruppen investierten per Saldo weniger, insbesondere die Personenbezogenen Dienstleister, wo der Investitionsindikator mit minus 50 Punkten den geringsten Wert auswies. Dennoch investierten 13 % der Betriebe, am auffälligsten die Nahrungsmittelbetriebe. Jeder zweite Betrieb meldete ein stabiles Investitionsklima.
Erwartungen: Die Investitionszurückhaltung setzt sich in allen Gewerkegruppen auch in den Folgemonaten fort.

Den ausführlichen Bericht entnehmen Sie bitte dem Download auf diesen Seiten.